English version
 
 

Aktuelle Meldungen

16.03.2008

Neue Weite und Würde

Tradition und Innovation in Herz-Jesu, Grafeld:

Seit ihrer Begründung Ende des 19. Jahrhunderts ist die Herz-Jesu-Kirche in Grafeld dem Wandel der Zeit entsprechend verändert worden: Die historistische Ausmalung 1912, Turmbau mit Westwerk 1927, die nüchterne Neuordnung von 1960. Jetzt gelang der Gemeinde zusammen mit dem Architekten Robert Goda und dem Künstler Mario Haunhorst ein gestalterisches Gesamtkonzept, das Würde und Weite in den Raum bringt.
Der Weg vom Taufbrunnen öffnet den Raum und gibt den Blick nach vorne frei bis zur Apsis, in der die alten Chorraumfenster nach der Überarbeitung in neuem Glanz leuchten. Neuordnung und Vereinfachung, ohne Ablenkung durch imposante Ornamentik oder historische Farbgebung ermöglichen eine Konzentration auf das Wesentliche, die stille Anwesenheit Gottes. Klare Richtungen und monumentale Proportionenen leiten den Blick, ausgewählte Materialien und Farben prägen den Raum vorsichtig und zurückhaltend.

Mit der Öffnung des Altarraums nach vorne in das Kirchenschiff hinein entsteht nun ein eigenständiger Aktionsraum, entsteht mehr Raum für kleine und große Mahlgemeinschaften, für Andachten, Werktagsgottesdienste, Frühschichten, Gebet und Gespräch um den Altar. Das neue Raumkonzept rückt die Feier der Liturgie stärker in den Mittelpunkt und läßt die Bildwerke zurücktreten, da der Altar die Mitte der Gemeinde ist.

Man staunt, wie durch diese moderne Gestaltung des Altarraumes, dessen Stufe weit in das angedeutete Querhaus hineinragt, die Raumwirkung sich weitet. Der Blick fällt auf den Altar. Was das Konzil wollte, nämlich eine aktivere Teilnahme der Gläubigen, wird nun in dem neugotischen Raum, der ja eine andere Auffassung des liturgischen Geschehens repräsentierte, auch durch äußere Bedingungen leichter erfahrbar. Der historische Raum erhält einen dadurch einen neuen Akzent. Die klaren Formen von Altar, Ambo und Tabernakel fügen sich trotzt ihrer Massivität aufgrund ihrer Volumen, Proportionen und Materialien harmonisch in den Raum ein, der dadurch eine bisher kaum zu erkennender konzentrische Kraft gewinnt, eine neue Weite und Würde.

Die gestaltete Einheit schließlich aus Raum, Glaswand, Tabernakel und dem Bild des vom Kreuz gelösten Christuskorpus verwandelt die Apsis in ein eschatologisches Bild.
Hier kommt zum Ausdruck, dass das Reich Gottes bereits mit der Inkarnation, der Menschwerdung Jesu Christi, begonnen hat. Hier wird die Richtung des Weges und geheimnisvollen Wandlungsprozesses in ein räumliches Bild gesetzt, die Vorwegnahme des Reiches Gottes.

Zum einen wird die große, opake Glaswand zum „Lichtfänger“ für das Sonnenlicht, zum anderen besteht die Möglichkeit, die Apsis durch beeindruckendes Kunstlicht für die Liturgien zu gestalten – mit dem Anliegen, den Gehalt der theologischen Lichtsymbolik – einem Sinnbild für die Gnade Gottes – in heutigen Formen auszudrücken.
  



     
  sitemap  |  contact  |  print version